Hier ein Überblick über die verschiedensten Stile und ihre Entwicklung

 Charleston
  
Vermutlich während der Ragtime Periode im Jazz entstand einer der bekanntesten Tänze bis heute, der Charleston, in der Nähe der gleichnamigen Hafenstadt Charleston. Die irrwitzigen Bewegungen mit den Beinen, X-und O-Beine, verliehen ihm seinen unvergleichlichen Stil.
  

Es war so um 1925 als Josefine Baker den Charleston über den großen Teich brachte und somit eine Welle an Begeisterung aber gleichzeitig auch eine Welle der Entrüstung gegen diesen so unanständigen Tanz entfachte. Trotzdem trat der somit wohl erfolgreichste Modetanz aller Zeiten seinen Siegeszug an. Er wurde in Europa von den so genannten Tanzmeistern zwar etwas gezähmt verlor aber dadurch keineswegs sein unvergessliches Flair.

Ein weiterer Tanz dieser Ära war der Black Bottom (schwarzer Hintern) der wie der Name schon sagt seinen Ursprung und auch seine weitere Verbreitung wohl eher unter der schwarzen Bevölkerung fand. Der Höhepunkt dieses Tanzes war wenn die Hintern aneinander stießen, „bumpten“. Da dies bei der weißen Bevölkerung nicht auf Gegenliebe traf verschwand dieser Tanz wieder sehr schell von Europas Tanzflächen.

 

  

 Lindy Hop


1927 wurde der Lindy Hop der Geschichte nach geboren. Namensgeber war dabei Charles Lindbergh welcher 1927 den Atlantic überquerte und dadurch in die Schlagzeilen der Zeitung kam: "Lucky Lindy hops over the Atlantic".
Da der Lindy Hop sehr stark vom Charleston beeinflusst war, wurden die Grundtechniken fast ausschließlich im sogenannten 8-Count Rhythmus getanzt. Erst später gesellten sich diverse andere Grundtechniken wie 4-Count, 6-Count, oder 10-Count Rhythmus dazu.

Beim Lindy Hop unterscheidet man grundsätzlich zwei Stile:

Savoy-Style

Sehr gebückte Haltung, wobei die Köpfe näher zueinander waren als die Beine. Frankie Manning (siehe Photo) war einer jener Tänzer welche diesen Style bekannt machten. Ergänzt mit schnellen Kicks, kleinen Sprüngen (Frog-Jump) sowie akrobatischen Würfen wurde dieser Tanz auf der Bühne und im Film zu einem spektakulären Ereignis. Die wohl berühmtesten Tanzszenen waren im Film "Hellzapoppin" (1941, Musik: Slim Gaillard; Tänzer: Whitey's Lindy Hoppers: William Downes und Micky Jones, Billy Ricker und Norma Miller, Al Minns und Willa Mae Ricker, Frankie Manning und Ann Johnson) zu sehen.

Video:  Hellzapoppin  (Quelle: http://www.return2style.de)

 

 

Hollywood-Style
Etwas zurückgelehnte Haltung, wobei die Beine näher zueinander waren als die Köpfe. Dean Collins war einer jener Tänzer welche diesem Style zum Durchbruch verhalfen. Auch dieser Style, gewürzt mit phantastischen Schritttechniken und akrobatischen Highlights, sorgte auf der Bühne und im Film für ein beeindruckendes Feuerwerk. Hier ein Ausschnitt aus Let's Make Musik, in dem Dean Collins seine tänzerische Leistung zum Ausdruck bringt: "Let's Make Music" (ca. 1940) Musik: Bob Crosby Orchestra, Tänzer: Dean Collins und Jewel McGowen (siehe Photo)

Video:  Let's Make Musik   (Quelle: http://www.return2style.de)
  

Technik: Die Grundtechnik bei beiden Stilen ist absolut ident, die Unterscheidung erfolgt eigentlich nur durch die Haltung welche die Tänzer und Tänzerinnen einnehmen.

 

 Balboa
  
Balboa ist ein Tanz mit geschlossener Paarhaltung, welcher im Rendezvous-Ballroom auf den Balboa Island in Newport Beach, Kalifornien in den späten 20er Jahren entwickelt wurde.  Er wurde eigentlich gezwungenermaßen erfunden, da der sehr raumgreifende wilde Lindy Hop nicht überall erlaubt und willkommen war. Etwas später entwickelte sich der sogenannte Balboa-Swing oder kurz Bal-Swing, dieser war wie der Name schon sagt quasi eine Mischung aus Balboa und Lindy Hop. Der Balboa & der Bal-Swing charakterisierten sich ebenfalls dadurch, dass sie auf 8 Taktschläge getanzt wurden.  Der Balboa & der Bal-Swing können eigentlich zu jeder Geschwindigkeit getanzt werden, jedoch eignen sie sich hervorragend für sehr schnelle Musik.

Besonders berühmt in Südkalifornien waren die sogenannten „Big Four“: Maxie Dorf & Mary McCaslin, Hal Takier & Betty Takier, Lawrence Wise & Lillian Arnold und Gil Fernandez & Venna Cascon. Diese Tänzer gehörten zu den Pionieren des Bal-Swing und traten als „The Ray Rand Swingers“ bei vielen Shows auf.

  

 Shag
  

  

Shag, eigentlich gibt es 3 Arten des Shag (Collegiate Shag, St. Louis Shag und Carolina Shag) und alle diese Shagarten wurden hauptsächlich zu schneller Musik getanzt. 

Der Collegiate Shag – auf sechs Taktschläge getanzt - ist für uns eigentlich der typische Shag welchen man auch in den alten Filmen und Cartoons sieht. Er war auch besonders populär an der Westküste Amerikas. 

Der St. Louis Shag hingegen wurde auf 8 Taktschläge getanzt und war dadurch am besten für extrem schnelle Musik geeignet. Bei diesem Stil merkt man auch, dass er direkt vom Charleston abstammt. 

Der Carolina Shag hingegen ist der jüngste Stil. Entstanden in den 50ern wird er zwar hauptsächlich auf 6 Taktschläge getanzt, jedoch finden sich auch 8-taktige Elemente in seinem Tanz. Hier kann man auch ein gewisses Naheverhältnis zum West Coast Swing erkennen.

   

  Jitterbug
  
Dieser Tanz war aber absolut nichts Neues, sondern nur ein anderer Ausdruck für Lindy Hop. 

Der Geschichte nach, entstand der Ausdruck Jitterbug in der Mitte der 30er Jahre. Manche behaupten, dass dieser Name von den Tänzern käme welche sich zeitweise am Parkett auf den Rücken warfen und mit den Beinen zappelten (jittery=nervös, Zitterwanze). In der weiteren Folge entwickelte sich der Jitterbug zum "Tanz der Weißen". 

Er änderte sich folglich auch mit der Musik. In den 40ern wurde er z.B. zu R&B oder in den 50ern zu Rock’n' Roll getanzt.

  

  Jive / Boogie Woogie
  
Diese Tänze sind eigentlich auch nur andere Namen für Lindy Hop oder Jitterbug. Durch die G.I.'s wurde der Tanzstil nach Europa gebracht und so wurde der Jitterbug in England damals Jive und in Österreich Boogie Woogie genannt. 

Eine Wiener Tanzschule gab Ende der 40er Jahre den ersten "Boogie Kurs" in Wien. Dieser Tanzschullehrer lernte, bzw. schaute sich den Tanzstil bei den G.I.‘s ab. Und wenn man genau schaut merkt man dass der altwiener Stil eigentlich sehr ähnlich dem Hollywood-Style ist. 

  

  Rock’n' Roll
  
Dieser Begriff war wohl eher für die Musik als für den Tanz. Denn in Amerika wurde dieser Tanz sowieso Jitterbug genannt. Und in Europa hat sich der Name Rock’n' Roll eher für ein neues Lebensgefühl durchgesetzt. Heutzutage wird unter Rock’n' Roll ohnehin fast ausschließlich Akrobatik-Tanz verstanden. Manche verwenden deshalb auch den Ausdruck "Rock’n' Roll der 50er Jahre" für die getanzte Version.

  

 Swing Rueda
   
Eine Rueda ist ein Kreistanz bei der die Tanzpaare einen Kreis bilden (rueda = rad) und die Tanzpartner ständig wechseln. Jeff Miller und Elaine Hewlett übernahmen von der Rueda de Casino das Konzept und die erste Swing-Rueda war geboren. Wie man es auch vom Squaredance kennt gibt es auch hier einen so genannten „Caller“ welcher die Kommandos für die verschiedenen Figuren gibt. Lustige Namen für die Figuren wie Sushi Roll, Coca Cola oder Boing Boing, beziehungsweise altbekannte Namen wie Inside Turn, Outside Turn oder Charleston-Break lassen einen sofort den Spass erahnen welchen dieser Tanz bereitet.